Warum?

Sie sind klein, neugierig und haben viele nie endende Fragen auf Lager und die Antworten, auf die sie warten, sind für sie wahrscheinlich lebenswichtig. Aber wollen wir immer antworten? Haben wir immer die passende Antwort in petto, spielen wir die Sache herunter oder tun als hätten wir sie überhört? Wir sind weder Gott noch Lehrer noch Enzyklopädie und daher können wir nicht alles wissen. Was alles geht den Kleinen durch den Kopf, wie weit reicht denn ihr Verstand? Man würde sich vielleicht wundern…

Was ich will, das beantworte ich

Warum hat Lucas aus dem Kindergarten so eine kleine Mama und Evi einen schwarzen Papa? Warum müssen wir auf dem Weg nach Hause immer bergauf laufen? Können wir unser Auto rosa übertünchen? Und warum kann Papa keine Ohrringe und Zöpfe tragen? Warum haben Opas Hühner keine Namen und warum muss er nicht jeden Tag zur Arbeit? Ein Schuss nach dem anderen – eine tückische Frage nach der anderen, es ist fast wie eine Strafe. Manchmal werden Dinge, die man zu Hause sagt, bald öffentlich und das ist oft auch kein Gewinn. Aber auf eine anständige Frage sollte eine anständige Antwort folgen. Ob man dafür die Nerven und genug Phantasie hat, ist eine andere Frage.

Das Gedächtnis der Kinder ist wie ein guter Computer

… und dazu noch einer mit einem verdammt guten Speicher. Welchen Schaden ein falsch gewähltes Wort einrichten kann, das ist allgemein bekannt. Ist es daher besser, sich an dem Sprichwort “Schweigen ist Gold” zu halten oder etwas brüsk und gedankenlos zu erwidern? Ein Kind ist darauf eingestellt zu fragen, also wozu sollte man ihm diese gesunde Lebenshaltung übel nehmen. Wie weit kennen wir unsere Kinder? Seien wir doch ehrlich, waren wir anders? Unsere Mütter und Väter waren geduldig und haben uns alles so gut wie möglich erklärt. Die Eltern von heute sind oft grimmig, ständig mit dem Handy, Tablett oder Notebook beschäftigt. Sie haben wenig Zeit und vielleicht sagen sie viel zu oft: “Ich weiß nicht. Schau doch im Internet nach, Google wird´s schon wissen”.

Oma, erzähl doch mal

Seien wir dankbar für Omas der alten Schule. Die erzählen gern, fragen immer und haben viel Geduld (vorausgesetzt sie arbeiten nicht oder führen kein Geschäft und haben gerade Zeit). Auch manche Lehrer und Lehrerinnen sprechen im Unterricht mit den Kindern, wenn sie nicht ständig nur moderne Methoden wie Overhead-Projektoren oder interaktive Whiteboards benutzen. Erzählungen, Fragestellungen und die Suche nach Antworten haben auch ihren Zauber. Sie machen uns menschlicher, wir sind mehr bereit zuzuhören, teilzunehmen und zu antworten. Nur so erzählen, über all das, was wir gern haben, diskutieren über Dinge, die uns auf der Seele lasten – das alles ist von unschätzbarem Wert für Klein und Groß.

Werfen wir die Brille der Achtlosigkeit weg

Es ist eine wunderliche Zeit. Sie ist so schnell, kräfteraubend und hektisch. Manchmal sollten wir stehen bleiben, unsere Sinne schärfen und wirklich hundertprozentig in sich hineinhören und nachdenken. Wir sollten uns bewusst werden, wer wir sind, was wir machen, was wir denn hier eigentlich tun und warum wir es tun. Es ist wichtig, kurz Inne zu halten, sich in die anderen hinein zu versetzen, sich bewusst zu werden, was wir mögen und wen wir lieben, was uns ärgert, irritiert und aufregt. Und es sollte laut gesagt werden. Uns Menschen wurde die Sprache geschenkt, damit wir Worte richtig benutzen können. Deswegen haben wir diese Gabe. Wir müssen nicht knurren, bellen, zischen oder seelenlos gackern. Es reicht, wenn unsere Worte ehrlich, ohne Vorwürfe und ernsthaft ausgesprochen werden – und zwar jedes einzige Wort. Und zuletzt eine rhetorische Frage: Warum das Ganze eigentlich? Die Antwort sollte jeder für sich in seinem Inneren “herausgoogeln”.

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