Wie kleine Kinder

Ich bitte Dich, sei nicht wie ein kleines Kind und nutz Dein Gehirn, wenn Du es schon hast!
Na klar. Es gibt viele ähnliche Sprüche, die uns ermahnen, unser richtiges Alter nicht zu vergessen, weil wir uns in manchen Situationen und Momenten einfach nicht entsprechend vornehm benehmen. Das passt wohl nicht zu unserem Alter. Aber warum solche Kritik? Die Zeit verlangt nach ausgeglichenen, zukunftsorientierten, gebildeten, klugen, mutigen, attraktiven Menschen oder vielleicht nach Halbrobotern…

Du bist wie klein!

Wir erleben die Dinge heute anders als im Kindesalter. Viele von uns haben genug Lebenserfahrung gesammelt, manches erlebt und sind einfach weiter. Aber wo denn? Oben oder unten? Das ist bei jedem anders. Kinder sind jedoch ein unbeschriebenes Blatt. Tabula rasa wie bereits Platon und Aristoteles sagten. Sie haben ihre eigene Welt, ihre Launen und Ideen, ihre Sicht der Dinge und ihre einzigartige Art zu denken. Ihr Charakter ist einfach und zugleich kompliziert aber immer besonders. Kinder kritisieren konstruktiv und wenn sie loben, wird es einem warm ums Herz. Wenn ein Kind zum ersten Mal sagt “Ich hab´dich lieb”, ist es rührend und ergreifend. Ein Kind denkt ganz anders, uneigennützig, ohne List und Tücke, immer ehrlich und furchtlos. Die meisten Kinder sind so – mit Ausnahme von Butzenmännern, kleinen Drachen und Hexen.

Das Lebenselixier

Die Seele eines Kindes ist jung und unverdorben, würde man annehmen. Es kommt jedoch auf die Menschen und die Umgebung an, welche Richtung der kleine Mensch einschlägt. Auf jeden Fall verfügt er über ungebrochene Kraft und reine Energie, die er ausstrahlt. Sie ist wie eine Speicherbatterie, ein Akku, das man als eine Art Reserveenergiequelle nutzen kann. Ein Leben mit Kindern ist glücklicher und bunter. Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit? Wenn man die kleinen Bruchstückchen vergessener Zeit zusammensetzt, erwachen plötzlich alte Bilder aus den Tagen als wir klein waren wieder zum Leben. Wie waren wir damals? Anders? Besser?

So läuft es

Es ist kein Meister vom Himmel gefallen. Auch als Erwachsene lernen wir weiter. Wir lernen und lernen um vollkommener zu werden. Zusammen mit den nützlichen Sachen saugen wir aber auch Unfug, üble Gewohnheiten und Stereotype ein, die das Leben später ach so “alltäglich” machen. Das Leben fließt daher und all die Kleinigkeiten, die wir als Kinder gesehen haben – eine Ameise, die ein Grashalm schleppt, Wolkenbilder und Lichtspiele der Sonnenstrahlen, bunte Blumen auf der Teetasse – die entgehen uns. Warum sehen wir sie nicht? Sind wir so von der Realität geblendet? Ist das das ewige Rennen, die vollen Terminkalender und stressigen Tage mit so vielen Aufgaben und Zielen, die wir uns gesetzt haben? Wir können nicht mehr herzhaft lachen, durch die Pfützen stapfen oder einfach nur in der Natur verweilen und frische Luft schnappen. Wir haben keine “verrückten” Wünsche mehr und haben es verlernt, einfach nur kindischen Unfug zu treiben. Dafür können wir uns sehr gut verstellen und in verschiedene Rollen schlüpfen, so dass wir am Ende nicht mehr wissen, wer wir eigentlich sind.

Seien wir wieder Kinder mit offenen Herzen

Ist es wirklich so kritisch? – fragen die Psychologen. Sind wir etwa nur Maschinen, die laufen und laufen mit vollem Einsatz, die nichts mehr fühlen und empfinden? Sind wir zu Wesen verkommen, die jegliche Empathie und Interesse am Neuen verloren haben? Wir laufen im Kreis, dem Kreis der Sicherheit. Wir wissen, was sich gehört und was nicht, kein Tritt daneben ist erlaubt. Es ist schade, denn vielleicht wartet gerade abseits unseres gewohnten Weges eine wunderbare, unerwartete Überraschung auf uns. Und was mögen Sie denn? Erfolg, Geld, Karriere, Liebe, Reichtum, Macht, talentierte Kinder, hervorragende Ergebnisse, Gemütlichkeit, Ruhe, Entspannung, Adrenalin? Vielleicht lohnt es sich, alle Konventionen zu vergessen. Es ist besser all diesen Ballast wegzuwerfen und nicht zu beachten, was man darf und was man muss. Es ist an der Zeit mit Sachen zu beginnen, die sich vielleicht nicht ziemen aber direkt vom Herzen kommen, Dinge zu sagen, die uns auf der Zunge brennen. Lassen Sie uns wieder Kinder sein und die Welt mit anderen Augen sehen – mit den arglosen Augen eines Kindes. Vielleicht werden wir uns dann zurückbesinnen auf das, was auf dieser Welt wirklich wichtig ist…

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